„US in pieces“ – eine szenische Collage des Grundkurses Darstellendes Spiel der Klasse 11 unter der Leitung von Hendrik Felber und Björn Helget
Unsere Wahrnehmung von Amerika: kaum ein Thema lässt sich treffender als ein Kaleidoskop 18 unterschiedlicher Teile abbilden. Am Anfang erreicht eine mittels Gruppenpantomime herrlich in der Dünung rollende Karavelle triumphal den Doppelkontinent. Wie schnell dabei aus dem Schritt ein Tritt, aus dem Kreuz ein Schwert und aus Thanksgiving Auslöschung wurde, beklagt der Radebeuler Amerika-Fan Karl May. Danach folgt auf eine Live-Musik- und Tanznummer eine Szene um die Dresdner Erforscherin der Nazca-Linien.
Die deutsche Perspektive bleibt auch im weiteren Verlauf bestehen. So ergänzt z. B. Schillers Lady Milford die Sterne der US-Flagge in dem schwarz-weiß quergestreiften Bühnenbild, indem sie in der oberen linken Ecke ihr Geschmeide aufhängt. Das hat ihr der Fürst verehrt, nachdem er dafür Untertanen als Soldaten gegen die amerikanischen Aufständischen verkauft hat.
Das Stück ist reich an Einfällen und es ist gleichermaßen unterhaltsam und beeindruckend zu sehen, mit welcher Präzision und Freude das Ensemble sie erspielt und ertanzt. Wieso Kafka in seinem Romanfragment „Der Verschollene“ der Freiheitsstatue ein Schwert statt einer Fackel in die Hand gibt, fragt die Inszenierung mithilfe einer gleichsam filmisch immer wieder zurückgespulten Szene, so wie wir uns am Ende mit dem professionell gestalteten Programmheft fragen: „Which pieces of America are (in) us?“
(Dr. S. Jeanjour; Fotos: Chr. Nieke)